Fast ein Standardwerk

Rezension vom 12. April 2012

Alfons Schuhbeck:
Meine Küche der Gewürze
Zabert Sandmann Verlag
380 Seiten, Hardcover
€ 24,95

Neulich, zu meinem Geburtstag, bekam ich dieses schöne Buch von Alfons Schuhbeck geschenkt. Ein etwas älteres Buch schon (von 2009), aber im Handel immer noch aktuell, was man ja erst einmal schaffen muss. Gewürze sind in der Küche, wie man weiß, viel mehr als das Salz in der Suppe. Und Fernsehkoch Schuhbeck hat sich in den letzten Jahren, als die prominenten Mitbewerber auf der Mattscheibe immer zahlreicher wurden, ganz clever in der Nische des Kräuter- und Gewürz-Kenners positioniert. Kochen konnte er ja schon vorher, jetzt ist er auch noch Gewürzpapst. Die Erwartungen an das Buch sind also entsprechend hoch.

Sie werden nicht enttäuscht. Im ersten Teil des Buches finden wir ein schlichtes, aber nützliches Lexikon, in dem 70 Gewürze und Kräuter auf je einer Doppelseite vorgestellt werden. Geschmack, Wachstum, Herkunft, Verarbeitung, gesundheitliche Wirkungen. Das sieht solide aus, auch wenn es immer noch mehr gibt als diese 70. Und auch, wenn an der einen oder anderen Stelle Lücken bleiben. (Beispiel: Wenn man schon über die gesundheitliche Wirkung einzelner Gewürze schreibt, hätte hier mal erwähnt werden können, dass z.B. in der ayurvedischen Küche, wo Gewürze als Medizin verwendet werden, die Chilis für Herzpatienten streng tabu sind.) Dennoch, man kann hier eine Menge lernen und bei Bedarf schnell nachschlagen.

Im zweiten Teil des Buches gibt es Rezepte. Viele Rezepte! Keine Montagsküche, sondern ausgefallen, kreativ, irgendwie neu. Natürlich müssen in allen Rezepten Gewürze beteiligt sein, und natürlich kommt man als Leser an die Stelle, wo man sich fragt, ob die Crème Brûlée (Lieblingsnachtisch!) durch gestoßene Fenschelsamen tatsächlich besser wird. Lavendelblüten lasse ich durchgehen, aber Fenchel? Ich werde es nicht ausprobieren können, ich besitze kein Zubehör für Crème Brûlée. Aber im Großen und Ganzen machen diese Rezepte wirklich Spaß und Lust, Neues zu versuchen. Außerdem passen Gewürzmischungen, -salze und Marinaden gut in die gerade anbrechende Grillsaison.

Und trotz der schon fast 400 Seiten und vielen sehr schönen Fotos wünscht man sich natürlich zu jedem Rezept eine Abbildung, was dieses Buch aber locker auf 500 Seiten gebeamt hätte.

Eines aber irritiert mich sehr, und das ist das Impressum, wo ich als Büchermacherin natürlich immer zuerst nachschaue. Unter „Mitarbeit Rezepte“ und „Rezeptbearbeitung“ findet man gleich vier Namen. Bei allen Jobs, die mit Texten zu tun haben, weitere vier Namen. Acht (!) Leute also haben dieses Buch mit Inhalt gefüllt? Was genau, bitte, hat Herr Schuhbeck gemacht? Sich fürs Cover fotografieren lassen? Okay, dass er gut kocht, aber deshalb nicht unbedingt gut schreibt, verzeiht ihm jeder. Dass der Alltag eines Kochs null Zeit für Extras lässt, - geschenkt. Trotzdem entsteht hier der seltsame Eindruck, dass Alfons Schuhbeck für dieses Buch, wie für viele Supermarkt-Produkte, in erster Linie seinen Namen und sein Gesicht hergegeben hat.

Bleibt als Trost, dass der Inhalt dieses Buches qualitativ besser ist als die meisten Dosen und Gläser mit Schuhbeck-Etikett im Supermarkt. Jedenfalls habe ich in den Rezepten dieses Buches keine Zusatzstoffe und E-Nummern gefunden, die in einer Küche, für die Alfons Schuhbeck steht, auch nichts zu suchen haben. Dank der vielen Mitarbeiter vielleicht.

Bewertung: Taugt fast zum Standardwerk 

 


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