Muss man haben!

Rezension vom 27. März 2012

Jamie Purviance: Weber's Grillbibel
Gräfe und Unzer Verlag
320 Seiten, Hardcover
€ 24,95

Es war einmal ein Amerikaner namens George Stephen, der war ein begeisterter Barbecue-Fan, ärgerte sich aber über jeden Regentropfen, der in die Glut fiel. Eines schönen Tages, im Sommer 1952, kam ihm während eines Segel-Ausflugs eine Idee: Er nahm eine Schiffsboje, teilte sie in zwei Hälften und bastelte daraus den ersten Kugelgrill. Weil er nun in seiner Nachbarschaft der einzige war, der bei jedem Wetter grillen konnte, hatte er schnell Fans. Und was macht ein Amerikaner, der in eine solche Situation gerät?

Stephen gründete die Firma Weber-Stephen-Products und begann, zuerst Amerika und dann die restliche Welt mit Grills und Zubehör zu versorgen. Viele Jahre später, nach der Jahrtausendwende, fanden seine Mitarbeiter in dem kalifornischen Journalisten und Kochbuchautor Jamie Purviance einen begeisterten Barbecue-Fan, der gerne ein umfangreiches Buch schrieb über Webers Grill-Produkte und all das, was man damit machen kann. Das Buch verkaufte sich sehr erfolgreich. Und in Deutschland fand sich der Kochbuchverlag Gräfe und Unzer, der die Lizenz für dieses und weitere Weber-Grill-Bücher übernahm und fortan seine Bücher nicht nur in Buchhandlungen, sondern auch in Baumärkten verkaufen konnte. Die Erfolgsstory für Gräfe und Unzers "Bibel" liegt bei 14 Auflagen seit Frühjahr 2010 und ist vermutlich noch lange nicht zu Ende. Zu Recht?

Für knapp 25 Euro bekommt der Grillfan ein über 300 Seiten dickes Buch im DIN-A-4-Format, das durchgehend farbig bebildert ist. Schön eingebunden, ordentliches Papier. Ein Anfangskapitel führt in die verschiedenen Grilltechniken ein. Wer hier gründlich liest, kann dann im Garten nicht mehr viel falsch machen. Fans von Holzkohle kommen voll auf ihre Kosten. Wer auf Gas oder Elektro setzt, wird mit einem freundlichen Kurztext abgespeist und lernt spätestens an dieser Stelle, dass echte Männer am Grill offenes Feuer brauchen.

Der Rezeptteil ist umfangreich: Lamm, Rind, Schwein und Geflügel werden jeweils in einzelnen Kapiteln vorgestellt. Auch hier kommt, wie bei den meisten Grillbüchern, alles, was nicht mit Fleisch zu tun hat, ein wenig kurz. Aber immerhin: Es gibt ein Kapitel zu Fisch, eines zu Gemüse und sogar eines zu Früchten. Zwar gibt es hier nur 10 Rezepte und nicht 40 (Rind und Lamm) oder 30 (Geflügel), aber immerhin. Der gute Wille zählt. Alle Rezepte sind ausführlich beschrieben, einzelne Arbeitsschritte sind in Text und meistens mehreren Bildern genau erklärt.

Was das Buch aber wirklich auszeichnet, sind die jedem Kapitel vorangestellten Informationen zur Grillpraxis. Hier erfährt man die Kniffe, die man am Grill braucht: wie das Steak genau so wird wie man es haben will, warum der Burger eine Vertiefung in der Mitte braucht, was man tun muss, damit Holzspieße nicht in Flammen aufgehen, und, und, und.

Was der deutsche Leser beachten sollte: Da es sich um ein amerikanisches Buch handelt, liegt auch die amerikanische Küche zugrunde. Das bedeutet, dass Steaks, Maiskolben, Burger und Avocados relativ häufig auftauchen und das für die USA typische internationale Crossover (asiatisch, karibisch, mexikanisch, italienisch), für den Grill neu interpretiert wird. Und ein echter Amerikaner scheut sich auch nicht, eine Pizza auf den Grill zu werfen. Für deutsche Grillfans stecken darin zahlreiche neue Rezeptideen.

Nur die Bratwurst, die taucht im ganzen Buch gerade mal…, ach doch, da ist sie: ein hübsches Rezept für geschmorte Bratwurst in Äpfeln und Cidre. Très francais. Na dann. Kein Kommentar.

Aber daran wollen wir dieses Buch nicht messen. Schließlich brauchen wir im Heimatland der Bratwurst kein Buch, das uns erklärt, wie wir sie grillen. Diese Bibel macht einfach Lust, die Saison zu eröffnen. Und mit diesem Buch schafft es wirklich jeder.

Bewertung: Wann, wenn nicht jetzt?

 


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