Nuhr Geblödel

Rezension vom 2. März 2012

Dieter Nuhr: Der ultimative Ratgeber für alles
Lübbe Verlag
304 Seiten
€ 12,99

Also, das Gute an diesem Buch ist: Man MUSS es nicht in einem Rutsch durchlesen. Man KANN. Wenn man kann. Ich kann diesen „Nuhr Quatsch“ mal für ein paar Seiten gut aushalten. Dann muss ich ihn wieder an die Seite legen. Ich verpasse ja auch nichts Lebenswichtiges. Höchstens Lustiges. Dieses Buch ist hervorragend geeignet für die bad days des Lebens. Eine halbe Stunde Lesen, bisschen Kichern, Prosecco dazu, schon ist die Stimmung wieder im Lot, und das Leben kann weitergehen. So hatte Herr Nuhr sich das doch gedacht, oder?

Dieter Nuhrs „Ultimativer Ratgeber für alles“ heißt deshalb Ratgeber, weil die Bücherwelt so voll ist von blödsinnigen, schlecht geschriebenen und einzig zum Zweck des Geldverdienens veröffentlichten Ratgebern ohne jeden Mehrwert, dass Nuhr aus genau diesem Grund noch einen drauflegen musste. Endlich mal einen, wo aber auch wirklich ALLES drin steht. Der quasi alle anderen thematisch voll ersetzt. Das ist sein ganz eigener ironischer Humor. Das muss man verstehen. AUF KEINEN FALL macht er das NuhrzumGeldverdienen! Niemals. Das erklärt er ja auch ganz plausibel gleich im Vorwort.

Ansonsten leidet dieses Buch natürlich darunter, dass es von einem verfasst wurde, den wir aus dem Fernsehen kennen. Und Mimik und Stimme fehlen nun mal beim Lesen. Trotzdem ist man beim Lesen ziemlich schnell drin in diesem typischen NuhrGeblödel, so dass man ihn eigentlich permanent vor seinem inneren Auge ganz ernsthaft grinsen sieht. Zitat: „Ich bin in der Lage, wirres Zeug zu reden und dabei kompetent und vor allem überzeugt zu gucken.“ Wussten wir schon, Herr Nuhr.

Zum Glück ist Dieter Nuhr ja einer der Schlaueren unter den Comedians. Dass er sich mit fast jedem Thema schon mal auseinander gesetzt hat, merkt man dem Buch an. Obwohl man zum Inhalt wirklich nichts Ernsthaftes sagen muss. Es geht um alles und nichts, um Philosophie, Religion und Hello Kitty, um Platon, Politik, Diäten, Staus, leere und volle Kühlschränke, Geister, Schöpfer, die Geschichte der Menschheit und Steinpilzrisotto. Ultimativ alles eben. Und weil der ratsuchende Leser sich in diesem Dickicht an Leben leicht verirren könnte, hat Dieter Nuhr den einzigartigen Kunstgriff vorgenommen und alle seine ultimativen Tipps mit einem farbigen Stift unterstrichen. Das war jetzt mal eine echt gute Idee! (An dieser Stelle: Ultimatives Lob an die Hersteller des Buches: schöne Typografie, schönes Layout, schönes Papier.)

Einen Tipp aber hat er nicht unterstrichen. Seite 220: „Es wäre … besser gewesen, auf den Druck des Buches zu verzichten und das Ganze gleich als illegalen Download anzubieten, langsam gesprochen, in MP3 gemeißelt, für lau und ohne Kopierschutz, also auch für buchstabentechnisch Unterbelichtete mit geringer fremder Hilfe konsumierbar. Längere Sätze könnten vom Erziehungs- oder Pflegepersonal erklärt werden.“ Man sieht ihn wieder grinsen. Damit dieses Zitat nicht komplett aus dem Zusammenhang gerissen erscheint: Im Text geht es an dieser Stelle um Bildung.

Ja, nette Idee, Herr Nuhr. Fand der Verlag wohl nicht so gut, oder? Von wegen NuhrzumGeldverdienen. Ich hol mir jetzt einen Prosecco, und dann les ich noch ein paar Seiten.  

Bewertung: Ab 0,5 Promille noch lustiger. 

 


http://twitter.com/booksandfriends